Ein Mädchen das erwachsen werden will – Teil 5 – Kamelia Knochen

Ich klopfte auf den Sargdeckel und ein leiser Puff erklang. Ich schreckte zurück und hielt gebannt den Atem an.

Knarrend öffnete sich der Deckel wie von Zauberhand. Meine Sicht auf das von dichtem Nebel eingehüllte Innere lichtete sich langsam. Eine große knochige Hand erschien. Es folgte ein Arm und dann ein Fuß. Schnell aber behutsam machte ich ein paar Schritte zur Sicherheit nach hinten.

Gebannt schaute ich dem schaurigen Spektakel zu, als aus dem Nebel eine Frau, nur aus Knochen und gekleidet in einer Zimmermädchenuniform, entstieg.

Die Skelettfrau schien mich gar nicht zu bemerken. Es drehte sich einfach weg von mir und schritt zur Treppe. „Halt! Bleib stehen!“ Ich lief ihr nach und bemerkte eine Innenschrift im Sargdeckel. Kurz hielt ich inne und las: Kamelia Knochen.

„Du sollst stehen bleiben!“, rief ich nochmals. Doch schon war es die Treppe hinunter.

Ich geriet in Panik. Sie darf bloß nicht den Schuppen verlassen! „Hey Kamelia“, versuchte ich es nochmal, aber auch darauf hörte sie nicht. Sie ging zur Tür und mein Herz setzte zum Sprung an. „NEIN!“, schrie ich, als sie die Tür öffnete und den Schuppen verließ. „Gott, bleib stehen! Nicht zum Haus. Nein, bitte nicht!“, bettelte ich, als ich bemerkte welche Richtung sie einschlug.

„Nein, bitte. Tu mir das nicht an! Papa dreht durch, wenn er dich sieht!“ Doch Kamelia schien mein Einwand egal zu sein. Sie ging zur Haustür und ergriff den Türknauf.

Sie ging unbeeindruckt durch das Wohnzimmer. Die Treppe hinauf in mein Zimmer und schritt zielstrebig auf mein Bett zu. Was hat sie vor? Fragte ich mich verwundert. Mit gekonnten Handgriffen machte sie mein Bett und drehte sich wieder um. Sie ging an mir vorbei und eilte die Treppe hinunter. Sie war so schnell, dass ich noch nicht das Ende der Treppe erreicht hatte, als ich die Haustür hörte.  Ich linste durch das Stubenfenster und sah wie Kamelia auf den Schuppen zu ging. Erleichtert entwich mir mein Atem. Noch mal Glück gehabt.


2 Gedanken zu “Ein Mädchen das erwachsen werden will – Teil 5 – Kamelia Knochen

  1. „Das Innere, eingehüllt in dichtem Nebel, lichtete sich langsam.“
    Der Nebel oder die Sicht auf das Innere könnte sich lichten, nicht aber das Innere selbst. Der Satz müsste also sinngemäß lauten.
    „Meine Sicht auf das von dichtem Nebel eingehüllte Innere lichtete sich langsam.“

    „Schnell, aber behutsam machte ich ein paar Schritte nach hinten, zur Sicherheit.“
    Hinter das „Schnell“ muss kein Komma und weil sich der Satz so etwas holprig liest würde ich schreiben:
    „Schnell aber behutsam machte ich ein paar Schritte zur Sicherheit nach hinten.“

    „Gebannt schaute ich dem schaurigen Spektakel zu. Als aus dem Nebel, eine Frau, nur aus Knochen trat.“
    Hinter „dem Nebel“ gehört kein Komma und ich würde die Sätze zusammenfügen, da sie auch sinngemäß zusammengehören:
    „Gebannt schaute ich dem schaurigen Spektakel zu, als aus dem Nebel eine Frau, nur aus Knochen gewandet in eine Zimmermädchenuniform, entstieg.“
    Das mit der Kleidung habe ich deshalb ergänzt, damit klar wird, warum für Kassandra ersichtlich ist, dass es sich bei dem Skelett eindeutig um eine Frau handeln muss. Und das „entstieg“ fand ich persönlich einfach nur epischer.^^

    „Dieses Skelett schien mich gar nicht zu bemerken. Es drehte sich einfach weg von mir und schritt zur Treppe.“
    Statt „Dieses Skelett“ würde ich „Die Skelettfrau“ schreiben.

    „„Du sollst sehen bleiben!“ rief ich nochmals.“
    Hinter die wörtliche Rede gehört ein Komma.

    „Doch Kamelia schien mein Einwand egal.“
    Da scheint mir etwas zu fehlen:
    „Doch Kamelia schien mein Einwand egal zu sein.“

    Gefällt 1 Person

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